Für wen die Laufstrecke eines Marathons von 42,195 Kilometer noch nicht ausreicht, der werfe einen Blick auf die sogenannten „Ultramarathons“, die sich in noch herausfordernde Gefilde begeben. Als Ultramarathon werden alle Laufveranstaltungen bezeichnet, die sich noch über der Marathon-Distanz abspielen. Die Ultramarathons unterteilen sich dabei in Streckenläufe, Stundenläufe und Etappenläufe.

Während einige dieser sportlichen Wettbewerbe auf Fünf- oder Zehn-Kilometer-Bahnen stattfinden, gibt es auch Wegstrecken, die kilometerweit vom Start wegführen, und sich dann wieder dem Ziel annähern. Ein bekanntes Beispiel für diese Art Ultramarathon ist der 100-Kilometer-Lauf von Biel in der Schweiz. Rekorde auf 100-Kilometer-Straßenläufen werden international festgehalten. Bei den Männern liegt der Zeitrekord bei sechs Stunden und 13 Minuten, bei den Frauen bei sechs Stunden und 33 Minuten. Beide derzeitige Rekordhalter im 100-Kilometer-Straßenlauf kommen aus Japan. Obwohl für Nicht-Läufer sechs Stunden schon eine kaum vorstellbare Zeitspanne darstellen, kommt es noch „dicker“ in Form von Mehrstundenläufen über zwölf, 24, 48, 72 Stunden oder noch mehr Tage.

Häufig steht bei den Langzeitläufen, neben dem sportlichen Anreiz, auch eine reizvolle Landschaft im Fokus der Veranstaltung. Solche Läufe werden daher auch als Landschaftsläufe oder Trailläufe bezeichnet. Eine Unterart des Ultramarathons ist der Ultraberglauf, der sich auf einer Höhendifferenz von mehr als 2.000 Meter abspielt. Weniger als die Länge zählt hierbei also die Höhe, die auf der topographisch anspruchsvollen Strecke zurückgelegt wird.

Auch klimatische Bedingungen werden beim Ultramarathon gern ausgereizt. So findet der „Badwater Ultramarathon“ im Death Valley in Kalifornien bei etwa 50 Grad Celsius statt. Der „Montane Yukon Arctic Ultra Marathon“ in Kanada lockt mit Temperaturen zwischen zwölf und 25 Grad, minus wohlgemerkt. Nichts für Frostbeulen und Warmduscher. Das schockt noch gar nicht richtig? Na, wie wäre es dann mit dem „La Ultra“ im Himalaya in Indien. In weniger als drei Tagen müssen vom Läufer 333 Kilometer bewältigt und dabei drei 5.000-Meter-Pässe überwunden werden. Die Welt des Ultramarathons kennt kaum eine Grenze.

Der längste Etappenlauf innerhalb Deutschlands, der „Deutschlandlauf“, führt die Teilnehmer 2019 über 19 Tagesetappen und 1.300 Kilometer von der Insel Sylt im Norden Deutschlands nach Garmisch-Partenkirchen und auf die Zugspitze. Wie sehr diese Art Lauf an die körperliche Belastbarkeit gehen, vermag man sich kaum vorzustellen. Es kommt zu starken Muskelkrämpfen, zum Verschleiß der Gelenke, zu Arthrose und Beschwerden an der Achillessehne. Wer für einen Ultramarathon trainiert, der sollte bezüglich seiner Physis in Kontakt zu einem Arzt treten und sollte den Ansprüchen auch psychologisch gewachsen sein.

Zuletzt soll noch ein Wettbewerb genannt werden, der weltweit berühmt ist und auch das Laufen beinhaltet. Die Rede ist vom Ironman World Championship, kurz dem „Ironman“ auf Hawaii, der seit 1972 stattfindende älteste Triathlon. Wie überall auf der Welt gehören auch zu diesem Triathlon die Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. In genau dieser Reihenfolge wird der Sportwettbewerb dann auch auf Hawaii durchgeführt. Doch beinhaltet das Laufen, welches wohlgemerkt zuletzt ansteht, dabei einen kompletten Marathon. Wer den Titel „Ironman“ tragen will, der muss also die offizielle Marathonlänge von 42,195 Kilometern nach dem 3,86 Kilometer Schwimmen und 180,2 Kilometer Radfahren schaffen. An dieser Stelle bleibt nur noch so etwas zu sagen wie: „Besser den Spatz in der Hand (kleiner Lauf), als die Taube auf dem Dach.“